Sikringsstilling Nord
22. August 2021

Lerskov. Sicherungsstellung Nord. Eine Befestigungsanlage aus der Zeit zwischen 1914-1918. Alte Bunkeranlagen, Hinterlassenschaften der Deutschen in Dänemark, heute teilweise von den Dänen unter Denkmalschutz gestellt und vereinzelt sogar begehbar.

Versteckt unter Gras, kaum sichtbar, liegen kleine Bunker verstreut in der Landschaft. Der Weg zu ihnen ist ausgeschildert und eine Informationstafel erzählt eine kurze Geschichte.

Doch einen dieser Bunker zu betreten und die unheimliche Präsenz zu spüren ist etwas ganz eigenes.

Modriger Geruch steigt mir in die Nase und eine feuchte Kälte umgibt mich. Es ist unheimlich und kostet ein wenig Überwindung durch die dunkle Öffnung, in der einst durch eine Eisentür verschlossen war, zu gehen.

Hier unten ist es stockdunkel. Ich weiß nicht, was mich hier erwartet. Ich schalte die Taschenlampe meines Handy ein. Hier unten ist das Licht mit sehr schwach. Doch langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit und ich nehme immer mehr wahr.

Zwei Röhren führen ins dunkle Erdreich. Rostiger Eisen umgibt den Beton. Der Boden ist bloße und platt getretene Erde. Ich mag den Geruch hier unten. Die Wände sind feucht.

Der Beton ist getränkt und weiße Rinnsale ziehen sich durch den Stein. Ich bin fasziniert von diesem Anblick den mein kleines Licht Preis gibt.

Doch ich habe auch tiefen Respekt. Diese Gemäuer erzählen ihre eigene Geschichte und mischen sich zugleich mit Bilden aus Geschichtsbüchern und Filmen über eine nicht zu vergessene Vergangenheit.

Ich höre Stimmen. Es ist unheimlich. Ich bewege mich nicht und spüre einen Bruchteil dessen, was die Menschen vor über einhundert Jahren wohl gefühlt haben müssen. Angst. Wer ist da oben?

Ich verharre kurz und hoffe die Stimmen dort oben kommen nicht hinunter. Ich habe Glück. Ein Motor startet und ein Auto entfernt sich langsam von nicht wirklich vorhandenen Parkplatz.

Ich verlasse das Dunkel. Ein Stück weiter finde ich weitere Bunker. Versteckt unter Farn finde ich die Überreste zerstörter Bauten.

Kein rankomem. Keine Möglichkeit hier weiter etwas entdecken zu können. Die Natur hat längst erobert, was der Mensch schändlich in die Landschaft gesetzt hat.

Hohes Gras und Dornenbüsche hindern mich daran näher zu kommen.

Ich versuche es von der anderen Seite. Doch auch hier, keine Chance. Farn soweit das Auge reicht.

Nur von weitem noch ein Blick. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Doch die Wahrheit hat hier die Natur verschlungen. Wer weiß, ob sie je wieder auftauchen wird.

Ich fahre weiter nach Andholm. Ein weiterer Bunker. Diesmal im Wald. Es ist einsam.

Auch hier besteht die Möglichkeit einer Besichtigung. Doch diesmal habe ich Angst. Ich weiß nicht, was mich dort erwartet. Eine Tür existiert auch hier nicht mehr. Doch ich irgendetwas in mir will nicht weiter.

Der Eingang ist schmal und nach zwei Metern geht es rechts in den unterirdischen Raum. Ich weiche zurück und ärgere mich etwas, dass mich der Mut verlassen hat.

Stattdessen fahre ich nach Gammelskov, um mir weitere Relikte von vor einhundert Jahren anzusehen.

Ein unscheinbarer Parkplatz. Frisches Grün und weit und breit keine Seele von Mensch.

Knapp einen halben Kilometer gehe ich in den Wald hinein. Von irgendwo höre ich das Blöken einiger Schafe. Noch ist es hier idyllisch.

Schon bald sehe ich die ersten Betonbrocken. Mitten im Laub, zwischen saftigen Nadelbäumen. Es ist ein seltsames Bild.

Die Zeitzeugen einer deutsch-dänischen Vergangengeit starren mich an. Und ich starre die an. Gehe hinunter in der Krater und berühre den Stein. Betonschrott mitten einer heilen und natürlichen Umgebung.

Zerstört und liegen gelassen, fristen die Überreste eines Krieges ihr Dasein. Doch der Wald stört sich kaum dran.

Es grünt von allen Seiten. Efeu und Moos heißen die Sieger über diese Monumente.

Ich gehe meine Runde. Ich habe schon einmal einen „Bunkerwald“ besucht. In Deutschland. Doch dort war alles abgesperrt und jeder zerstörte Bunker mit einem Drahtzaun umgeben.

Hier hingegen gibt es Wege mit Treppen, die direkt an die Tonnenschweren Kolosse führen.

Es ist interessant, wie unterschiedlich die Nationen mit ihrer Vergangenheit umgehen. Mir persönlich ist offene auflöst lieber und die Dänen scheinen das ähnlich zu sehen.

Ich drehe eine letzte Runde, halte alles fest um es nicht zu vergessen. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Nichts ungeschehen machen. Doch wir können innehalten und eine Zukunft vermeiden, die zu einer ähnlichen Vergangenheit werden könnte.

Ich halte inne und bin den Dänen dankbar, dass sie zum Nachdenken und in sich gehen sogar eine Bank vorvdem Krater positioniert haben. Das nenne ich Geschichte zum anfassen und begreifen.

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