Grenen
5. Oktober 2021

Wie versprochen. Ich bin wieder da. Noch einmal in Grenen. Doch dieses Mal früh. Zumindest früh genug, als dass hier an der Nordspitze noch keine Menschen unterwegs sind.

Der Strand, übersäht mit unzähligen Fußabdrücken des gestrigen Tages, ist jetzt eine Ruheoase. Soweit keine Augen sehen, erblicke ich nur Landschaft und Natur.

Heute habe ich Glück, denn auch das Wetter ist mir wohl gesonnen und so wirkt der Kontrast zwischen Himmel, Sand und Meer wie das perfekte Szenario zum glücklich sein.

So gefällt es mir hier oben. So haftet diesem Ort etwas ursprüngliches an. Eine Ruhe und Beständigkeit, die bei dem bunten Treiben der zahlreichen Gäste zwangsläufig verloren geht.

Ich halte inne. Bleibe hier und da stehen. Halte Bilder für mich fest und atme tief durch, bevor ich an der Ostseite des Strandes weiter nach Norden schlendere.

Der Tag ist noch jung. Vom Kattegat her liegen die feinen Wolken am Himmel noch in leichten Gelb und orange Tönen, bevor der Tag richtig erwacht.

Ich bin froh genug unterwegs zu sein. So bekomme ich ein unverfälschtes Bild dieser Natürlichkeit. Unzählige Möwen kreischen vor mir. Sie sitzen an Land. Dort, wo Nord- und Ostsee sich einander begegnen. Im Wasser muss es ein Festmahl geben, denn wieder und wieder stoben sie auf und stürzen sich erneut in due zarten Fluten. Ihr Kreischen ist aufgeregt und laut.

Ich bleibe stehen. Vor mir auf der Sandbank liegt eine Robbe. Inmitten der weißen Vögel liegt sie einfach da in der Sonne und lässt es sich gut gehen. Es passiert selten, doch heute muss der alte Fotoapparat mit besserem Zoom, wie mein Handy, ein paar Fotos schießen.

Ich bleibe auf Abstand. Doch bald wird es vorbei sein mit der Ruhe. Weit hinter mir kommen die ersten Ansammlungen von Menschen den Strand entlang und aus den Dünen knattert ein Traktor mit Anhänger auf die kleine Gruppe Möwen am Strand zu. Die Robbe hebt den Kopf, blickt sich um und verschwindet augenblicklich im Meer. Sie kennt das wohl schon. Wo der Mensch ist, da ist es aus mit Ruhe.

Kinder springen aus dem Anhänger und rennen schreienden und mit fuchtelnden Armen auf die Vögel zu und im nullkommanix hat der Strand seinen Charme eingetauscht. Keine unberührte Landschaft mehr. Nur ein Ort mit lauten Menschen, die alles an sich reißen.

Nun, da alle Tiere verscheucht sind und die lärmenden Touristen schnatternd ihren Platz eingenommen haben, wage ich noch ein paar Bilder dieses sich permanent verändernden Fleckchens Erde.

Doch nur kurz. Denn ich muss raus aus diesem Lärm. Ein Stück die Nordseeseite entlang. Fort von den Menschen, denen ich ein gewisses Maß an Respektlosigkeit vorwerfe.

Hier im seichten Wasser liegen unzählige kleine und teilweise leergefressene Muscheln. Sie waren wohl der Grund für das Festmahl der Möwen und nun liegen sie hier von den Wellen an den Strand getragen und werden ihrerseits ihren Beitrag zum natürlichen Kreislauf der Natur beitragen.

Ich schlendere noch vor mich hin und genieße die optischen Köstlichkeiten am Strand. Dabei frage ich mich zum ersten Mal, warum derart viele Menschen blind geworden sind und nicht mehr sehen können, in welchen faszinierenden Verbindungen wir leben.

Konsum und Wegwerfgesellschaft, TV und online Junkies bestimmen due Zeit und kaum einer erkennt das wirkliche Geheimnis.

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