Ein Tag im November
21. November 2021

November, ein Monat voll mit grauen Tagen. Trübe Gedanken, ein ewig und durchgehend wolkenbedecker Himmel und nur wenig Hoffnung auf Besserung. Doch heute lichtet sich das Grau. Was wird der Tag bringen? Selbst in der dunklen Wolke steht das Fragezeichen.

Die Sonne bahnt sich ihren Weg. Sieht es anfangs noch so aus, als würden Wolkenstreifen am Horizont ihr im Wege stehen, so kämpft sie sich doch langsam frei um ihre Kraft in all dem glanzlosen Sein zu entfalten.

Am Ende des Sonnenaufgangs siegt sie heute über den Kummer und spendet ein wohliges und gut tuendes Gefühl. Sie beweist ein Mal mehr, dass jeder trüben Phase wieder das Leben folgt. Ja, heute ist Leben. Kein bloßes existieren, sondern bejahendes Wohlsein.

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt und mein Weg führt mich von Kegnæshøj über einen meiner Lieblingshäfen zurück. Ein kurzer Zwischenstopp muss sein. Høruphav liegt bereits im Winterschlaf. Keine Boote, keine Menschen. Nur leere Stege. Wo es sonst so wimmelt ist nun Ruhe eingekehrt.

Wie oft war ich im vergangenen Sommer hier? Die Erinnerungen an meine Segeltörns werden lebendig und I ch spüre das starke Verlangen aufs Wasser zu kommen. Mein Schiff zu spüren, wie es mich sanft wiegt und vorwärts trägt.

Der Tag ist noch jung. Ich mache mein Schiff klar und lege ab. Die Förde ist leer. Erst später gesellen sich drei, vier weitere Segler dazu. Ich genieße die Stille und die wohlige Einsamkeit. Hier draußen bin ich gern für mich. Hier draußen liegt das pure Sein, das wirkliche Leben.

Nach ein paar wundervollen Stunden auf dem Wasser, habe ich heute das Bedürfnis, die letzten Wochen ein Stück weit nach zu holen. Konnte ich am Morgen den Sonnenaufgang von Dänemarks Küste aus aus östlicher Richtung beobachten, so zieht es mich jetzt nach Westen an die Nordsee.

Mein Weg führt mich vorerst zum Fähranleger in Dagebüll. Vom Aussichtsturm aus erstreckt sich mir ein wunderbarer Blick über die Nordsee. Es wird nicht mehr lange dauern und die Sonne wird sich für den heutigen Tag verabschieden um woanders ihre Kraft zu entfalten.

Aus Norden schieben sich derweil die ersten Wolken herbei und mischen sich so vor das blaue Firmament. Sie tragen Regen in sich und es ist fraglich, ob der Sonnenuntergang oder der Niederschlag Sieger des heutigen Tages wird.

Ich wende den Blick Richtung Osten und träume mich einige Minuten fort. Die Fähre Richtung Föhr und Amrum hat vor wenigen Minuten abgelegt. Wie gern wäre ich nun dort.

Amrum zählt zu meinen Lieblingsorten an Land und es wird das zweite Jahr sein, an dem ich nicht rüber komme. Es fehlt mir und ich weiß, sobald der Spuk der Zeit vorbei sein wird, werde ich „meiner“ Insel wieder treu sein.

Heute aber geht es nur kurz weiter nach Schlüttsiel. Hier, hinter der Kulisse des im Winter stillgelegten kleinen Sportboothafens, tut sich für den heutigen Tag ein letztes Mal ein Tor aus Licht auf. Wie der Eingang zu einer anderer Welt.

Die Dalben im Wasser wirken auf den ersten Blick ähnlich wie die Monumente eines Steinkreises. Ich denke an die Romane der Schriftstellerinnen Diana Gabaldon und beschließe mich noch diesen Winter erneut ans Lesen ihrer mittlerweile neun hervorragenden Bücher zu machen.

Die Regenwolke ist derweil näher gerückt und dicke Regentropfen prasseln bereits auf mich herab. Während die Sonne im Osten noch am Horizont der Nordsee strahlt, ziert ein Regenbogen landeinwärts den schwer behangenen Himmel.

1 Kommentar

  1. Katrin Slomma

    Wenn von dir ein neuer Bericht kommt, bin ich jedes Mal gespannt auf die wunderschönen Fotos. Auch hier hast du wieder stille, besinnliche Momente eingefangen.

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